Seminar bei der NBAS – nicht nur Mantrailing – auch Teamtraining

Foto: By Barry Goyette from San Luis Obispo, USA [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Viele haben mich gebeten, vom Seminar bei der NBAS zu berichten. Dem komme ich sehr gerne nach, denn ich gebe gerne weiter, was eine gute Sache ist.

Das Seminar war Anfang Oktober in der Schweiz, in Zug.

Die Organisation des Seminars war wirklich perfekt und gut durchdacht. Alle Teilnehmer arbeiteten auf gutem bis sehr hohem Niveau. Ich habe mich sehr gefreut, so viele gute, nette und vor allem aufgeschlossene Trailer auf einem Event zu treffen. Jeder war stets hilfsbereit und bedacht, mit guten Ideen und Erfahrungen einander weiter zu helfen.

Das Training begann jeden Morgen schon um 8:oo Uhr und endete erst um 18:00 Uhr. Dies empfand ich als sehr angenehm. Meiner Meinung nach ist es besser früh morgens zu beginnen, um ausreichend Zeit für ein ausgiebiges Training zu haben. Und nach 5 Tagen Training, 10 Stunden am Tag, weiß jeder, dass er wirklich was getan hat.

Mit Anthony M. Jackson „AJ“ von der VBSAR hatten wir einen erfrischenden homorvollen und sehr talentierten und erfahrenen Trainer aus den USA. Da alle beteiligten Hunde bereits sehr fortgeschritten arbeiteten, konnte er seinen Trainingsschwerpunkt auf das Training der Hundeführer und das Teamtraining legen. Ein zentraler Punkt, der auch einen Großteil der Abenddiskussionen füllte, war die Frage, wie man im Mantrailing ein optimales Teamwork erreicht, ohne dass es zu einer dominierenden Beeinflussung durch den Hundeführer kommt.

Teamwork ohne Beeinflussung des Hundeführers?

Bei der Arbeit im Geruch ist der Hund der Einzige im Team, der Informationen über den Trailverlauf liefern kann. Daher ist der Ansatz logisch, den Hund in seiner Arbeit im Geruch möglichst nicht zu beeinflussen (Voraussetzung: der Hund ist in der Arbeit und nicht in einer Nebenbeschäftigung). Anders sieht es aus, wenn der Hund sich in einer Situation befindet, aus der er sich allein aufgrund der geruchlichen Informationen nicht mehr oder nur sehr schwer herausarbeiten kann.

Eine beispielhafte Situation sei hier wie folgt dargestellt: Der Trail folgt über den Kamm eines Hügels. Aufgrund der Thermik ist aber ein Teil des Geruchs in der kalten Senke gelandet und hat dort einen Pool gebildet. Der Hund ist zunächst dem meisten und frischesten Geruch in Richtung Pool gefolgt und hat sich daraufhin im Pool gefangen. Er sucht von dort eine lange Zeit im und an den Rändern des Pools und versucht einen Abgang aus dem Pool zu finden, den es schlichtweg nicht gibt. Rein aus den geruchlichen Informationen kann der Hund in dieser Situation den Trail nicht oder nur sehr schwer lösen (indem er dem Restgeruch, der möglicherweise auf der Hügelfläche liegt, folgt).

Drei Möglichkeiten hat das Team nun, sich aus der Situation heraus zu arbeiten:

1. Der Hundeführer lässt den Hund so lange im Pool arbeiten, bis der Hund selbständig beginnt, über die Ränder des Pools hinaus zu suchen und schließlich neuen frischen Scent auf der Hügelkante findet. Wer diese Situationen kennt, der weiß wie oft sich die Hunde hier aufarbeiten und wertvolle Ressourcen verbrauchen, die man eher für den weiteren Trail benötigt.

2. Der Hundeführer erkennt die Situation und wartet, bis sein Hund die Senke vollständig abgearbeitet hat, um sicher zu gehen, dass er wirklich selber nicht heraus findet. Dann nimmt er seinen Hund aus der Arbeit (Umhängen an das Halsband) und führt den Hund an die Stelle, wo der Hundeführer den weiteren Trailverlauf vermutet. Dies wäre in diesem Fall beispielsweise der Fuß der Hügelkante.

3. Der Hundeführer erkennt die Situation und wartet, bis sein Hund die Senke vollständig abgearbeitet hat, um sicher zu gehen, dass er wirklich selber nicht heraus findet. Jetzt nimmt er den Hund aber nicht aus der Arbeit, sondern ermutigt ihn, sobald dieser die Anzeichen zeigt, sich in Richtung der Hügelkante, den Hügel hinauf oder aber sogar seinen Weg zurück zum Trail am Fuß des Hügels zu arbeiten. Ermutigen ist hier als eine subtile Bestärkung zu verstehen, die keinesfalls den Hund begrenzt, behindert oder gar lenkt. Es sollte stattdessen nur ein vom Hund bereits gefasster und umgesetzter Entschluss bestärkt werden. Wichtig ist: der erste Handlungsimpuls muss dabei vom Hund und nicht vom Hundeführer ausgehen, denn umgekehrt wäre es eine zu vermeidende Beeinflussung. Praktisch gesehen folgt man also mit gleichbleibender Spannung auf der Leine seinem Hund, bis der Hund wendet und sich zaghaft den Hügel hinauf arbeitet. Jetzt kann der Hundeführer die Spannung auf der Leine ein wenig senken und damit den Impuls des Hundes, den Hügel genauer zu untersuchen, bestärken.

Alle drei Varianten sind zielführend. Meiner Ansicht nach hat Variante Nr. 3 aber entscheidende Vorteile:

Vorteile gegenüber 1.: Gegenüber Nr.1 werden wichtige Ressourcen geschont. Der Hund würde sonst zu viel Energie im Pool verbrauchen, um sich eine Lösung zu erarbeiten, obwohl sich diese am Verhalten des Hundes bereits seit vielen Minuten abzeichnet.

Vorteile gegenüber 2.: Zwar ist auch Nr.2 gegenüber Nr. 1 ressourcenschonend, aber dem Hund wird hier die Chance genommen, die Situation selbständig zu lösen und so im Training dazu zu lernen. Darüber hinaus wird der Hund beim Umhängen aus seinem Arbeitsfluss genommen, was meiner Ansicht nach immer eine suboptimale Lösung ist.
Des Weiteren besteht die Wahrscheinlichkeit, dass der Hund auf dem selbständigen Weg zurück zum Trail geruchliche Informationen aufgreift, die Ihn viel früher zurück zum Trail führen könnten.

Nicht zuletzt schult Arbeitsweise Nr. 3 die Hunde, im Falle einer falschen Entscheidung an einer Kreuzung, sich selbständig und systematisch zurück zu arbeiten. Eine Fähigkeit, die extrem wichtig ist und ich bei vielen Teams oft vermisse.

Umsetzung in Trainingssituationen

AJ hat mir an einem Tag eine schöne Traningssituation gestellt, in der wir sehr effizient mit dieser Arbeitsvariante die Aufgabe lösen konnten:

Der Trail führte in eine Bahnhofshalle hinein, die 3 weitere Ausgänge hatte: Links, rechts und geradeaus.
Mein Hund „Beaux“ führte mich in die Halle hinein, überprüfte jeden Ausgang und drehte aber jedes Mal zurück in die Halle. Offenbar führte aus der Halle kein Trail hinaus und die Person lag sehr wahrscheinlich in der Halle versteckt. Statt den Hund noch weiter im Kreis arbeiten zu lassen, entschied ich mich, den Hund eine Wendeltreppe checken zu lassen, die in der Mitte der Halle nach oben in die weiteren offenen Etagen führte. Sobald mein Hund in Richtung der Treppe steuerte, lies ich die Spannung der Leine nach und ermutigte so, den noch zögerlichen Hund, in dieser Richtung weiter zu arbeiten. Am Treppenabsatz angekommen war dann die Lösung klar: Die Nase am Boden festgesogen, arbeitete mein Bloodie wie ein Putzerfisch die Treppe nach oben, um dann hinter einer geschlossenen Türe die Person zu finden. Eine sehr schöne Aufgabenstellung, zumal AJ die Person eben nicht oben in der Galerie versteckte, was einen riesigen Pool produziert hätte, sondern er versteckte die Person geruchlich fest verbunkert hinter einer Türe, die wieder nach draußen führte. In der Halle hätten wir uns so ewig aufgearbeitet, denn der Hund konnte so aus der Galerie keine Information für einen Highfind bekommen.

Den Hund nicht umhängen, sondern in der Arbeit mit dem Hund als Team einen Ausweg aus einer geruchlichen Sackgasse zu finden, ist nicht leicht und wie ich finde ein vielmals falsch verstandenes und falsch umgesetztes Konzept. Oft sieht man Hunde, die im Geschirr zurückgeführt werden oder wo der Hundeführer auf andere Weise ganz klar die Führung übernimmt. Dies ist nicht der Sinn der Sache und führt nur zu Hunden, die verwirrt und unsicher werden: Missverständnisse seitens des Hundes darüber, wann nun der Hund und wann der Hundeführer die Führung übernimmt, sind vorprogrammiert. Im Mantrailing muss meiner Ansicht nach immer klar sein: solange der Hundeführer nicht klar die Arbeit unterbricht, hat der Hund die Führung in der Arbeit am Trail.

Am letzten Tag gab es noch für diejenigen, die es wollten, eine Prüfung. Dieser Herausforderung haben wir uns gerne gestellt, sind aber leider sehr früh ausgeschieden. Nach den 5 Tagen Training und einem trainingsarmen Sommer, war bei uns einfach die Luft raus. That’s live. Wenn es einfach wäre, könnte es ja jeder und es würde immer funktionieren.

Foto: Martin Hürlimann

Foto: Martin Hürlimann

Ein besonderes Highlight war auch der obligatorische Trail nach einem Taucher im See. Wirklich interessant wie unterschiedlich die Hunde damit umgehen. Ein Riesengaudi.

Alles in allem war dieses Seminar bei der NBAS eine gelungene Woche. Wir hatten viel Spaß, eine angenehme Arbeitsatmosphäre unter freundlichen und gut ausgebildeten Hundeführern und eine exzellente Organisation. Und nicht zuletzt: wir haben verdammt viel erfahren.