Shaping the Dog – Körpersprache kann man formen

Foto: By  Lennart Tange [CC BY 2.0], via Flickr Foto: By Lennart Tange [CC BY 2.0], via Flickr

Die Welt ist klein und man begegnet sich mindestens zwei mal im Leben. Peter Keller müsste ich eigentlich schon mein Leben lang schon kennen. Er wohnt im schönen Graubünden gleich zwei Auto Minuten entfernt vom Haus meiner Eltern, in dem ich seit 45 Jahren regelmäßig Urlaub mache. Wir teilen die gleiche Leidenschaft mit den Hunden, er ist der Arzt meines Vaters und doch sind wir uns in 44 Jahren nicht über den Weg gelaufen. Bis mein Vater mir erzählte, dass sein Arzt in der Schweiz eine Mantrailing Schule namens SAM-Dogs gegründet hatte.
Bei einem Treffen lernte ich ihn und seine Frau Monika ein Jahr später kennen. Wir verbrachten ein schönes Wochenende in den Schweizer Bergen, tauschten viele Ideen und Vorstellungen über das Mantrailing aus und haben uns vor allem gegenseitig bei der Arbeit mit den Hunden beobachtet.

Peter arbeitet viel mit Alun Williams und Mark Brown zusammen, einem bekannten Mantrailing Trainer von der Britischen Insel.

Wir konnten in der kurzen Zeit leider allen Facetten unserer Arbeit kennen lernen. Und eigentlich wollten wir uns über das Konzept der Scent Specific Trailing Search Dogs austauschen. Aber mir fiel auf, wie Peter und sein Hund gelernt haben an Entscheidungspunkten zusammen zu arbeiten. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen: Sein Hund verhält sich fast wie ein Jojo – er checkt kurz eine Richtung ab, um dann mit einer ganz klaren Körpersprache wieder zu wenden und die korrekte Richtung einzuschlagen. Ein so schönes klares Verhalten, dass es einem sehr erleichtert, den Hund auf dem Trail zu lesen und nicht Gefahr zu laufen, es zu überinterpretieren. Peter kann unproblematisch seinen Hund auffordern, eine bestimmte Richtung erneut zu prüfen und auch dann zeigt sein Hund erneut die richtige Richtung an.

Ich habe ihn gebeten, ihn bei seiner Arbeit filmen zu dürfen und dies zu veröffentlichen. Der Trail war ihm bekannt, was man stellenweise auf dem Video auch erkennt. Mir kam es aber nicht darauf an, ihn in seiner Arbeit zu überprüfen. Ich wollte statt dessen in möglichst vielen Entscheidungssituationen zeigen, dass Peter seinen Hund absichtlich in die falsche Richtung schicken kann und sein Hund dennoch, durch seine Körpersprache jeweils ein klares Negativ zeigt.

Zwei Dinge möchte ich hier betonen, damit keine Missverständnisse entstehen: Zum einen übernimmt Peter normalerweise nicht die Führung auf dem Trail, sondern überlässt die Arbeit ausschließlich seinem Hund. Ich habe ihn gebeten es dennoch zu tun, um deutlich zeigen zu können, wie stark sein Hund eine gut lesbare Körpersprache verinnerlicht hat. Zum anderen möchte ich eine so starke Beeinflussung durch den Hundeführer nicht befürworten. Im Gegenteil: der Hundeführer sollte den Hund niemals in seiner Arbeit begrenzen oder gar lenken, wie ich erst kürzlich sehr deutlich hier beschrieben habe. Um es ganz deutlich zu machen: dies ist ein exemplarisches Video, dass eine deutliche Körpersprache und ein klares Ausschlussverhalten des Hundes zeigen soll. Ein Verhalten, das so durch gezieltes Training geformt und verstärkt wurde. Demgegenüber halte ich es für technisch fragwürdig, wenn sich der Hund bereits für eine Richtung entschieden hat, dass der Hundeführer dann die Führung übernimmt und vom Hund verlangt, zunächst noch die anderen Richtungen zu prüfen.

Herausgekommen ist ein Trail, der sehr schön das Resultats seines Trainings zeigt: zügig auf dem Trail, aber versammelt und nicht hektisch. Sein Hund mit klarer und deutlicher und gut lesbarer Körpersprache. Zudem ist sein Hund keineswegs verunsichert, wenn Peter kurz die Führung übernimmt und die Richtung vorgibt. Das Zusammenspiel, wann Peter und wann der Hund die Führung übernimmt klappt erstaunlich gut.

Auf die Frage, ob er dieses Verhalten so im Training gezielt geformt hat erklärt er nachvollziehbar: „Mein Hund hat natürlich ein gewisses Grundtalent gezeigt und vieles bereits von sich aus angeboten. Das habe ich aufgegriffen und auf vielen mir bekannten Trails durch positives Feedback entsprechend punktgenau gefördert und heraus gearbeitet. Im Grund kann man es aber so auch jedem anderen Hund beibringen.“ Ein weiterer Trail mit dem Labrador seiner Frau Monika zeigte dann, dass diese Arbeitsweise nicht zufällig, sondern gezielt aufgebaut wurde.

Auch wenn ich selber mit meinem Hund nicht genau so arbeiten würde, wie es in dem Video zu sehen ist, zeigt Peter hier doch sehr schön, dass die Körpersprache des Hundes nicht allein etwas Naturgegebenes sein muss. Vielmehr kann der Hund durch ein gezieltes Training auf wissenden Trails lernen, seine Körpersprache deutlicher zu formen und heraus zu bilden, um die Teamarbeit insgesamt zu erleichtern.

Sicher ist das auch ein Punkt, der ihm bei der Ausbildung der Mantrailer der Schweizer Polizei und in seinen Einsätzen in seiner Gegend die entsprechenden Erfolge beschert. „Shaping the dog“, wie er es nennt wird daher sicher auch ein roter Faden in der Ausbildung bei SAM-Dogs und in seinem bald erscheinenden Buch sein. Ich bin sehr gespannt.

Ich freue mich jedenfalls, Peter bald auf einem seiner Seminare wieder zu sehen und mehr über seine Arbeit zu erfahren.