Spannende Trailvarianten

Immer wieder werde ich von Teilnehmer unserer Seminare und Kurse nach einem Buch gefragt, das Ideen für spannende Trails enthält. Obwohl sich gefühlte 120% aller Mantrailbücher in meinem Bücherregal befinden, und auch dort immer wieder Trailvarianten thematisiert sind, möchte ich hier eine sicher unvollständige aber umfangreiche Liste an möglichen Trailvarianten aufbauen. Eurer Phantasie sind hier natürlich keine Grenzen gesetzt, diese zu kombinieren, zu ergänzen und zu erweitern. Ich möchte aber betonen, dass der überwiegende Teil dieser Trails nur für erfahrene und ausgebildete Teams geeignet sind. Im übrigen gilt meiner Ansicht nach der Grundsatz, dass der weit überwiegende Teil des Trainings aus Basisarbeit bestehen sollte. Über Feedback und weitere Ideen bin ich dankbar und erweitere diese Liste gerne:

Gezogene Trails

Beschreibung:

Das Team arbeitet an einem Trail, während der Runner unerkannt vom Team in kurzer Distanz (70-100 Meter) den Trail weiter legt. Dazu legt der Runner einen Trail bis zur nächsten Hausecke (50-70 Meter) und wartet dort, bis das Team gestartet ist. Dann nimmt der Runner Blickkontakt mit dem Backup auf und deutet in die Richtung in die er jetzt gehen wird und geht bis zur nächsten Hausecke. Er wartet dort, bis er wieder Blickkontakt zum Backup hat. Dieses Spiel geht so weiter, bis der Backup dem Runner durch Zeichen zu verstehen gibt, stehen zu bleiben und den Hund finden zu lassen. Wichtig dabei sind zwei Dinge: Erstens sollte das Team (insbesondere der Hund) nie den Runner zu sehen bekommen um zu vermeiden, dass der Hund auf Sicht arbeitet. Zum Zweiten sollte der Runner immer sicher sein, dass der Backup genau weiß, wo der Trail entlang geht. Das kann auch parallel mit einer entsprechenden Smartphone App unterstützt werden.

Trainingsschwerpunkt:

Dies ist eine effektive Motivations- und Konzentrationsübung. Der Hund arbeitet stets in so frischem Geruch, dass er den Eindruck hat, kurz vor dem Ziel zu sein. Obendrein lässt sich darüber effektiv an der Suchkondition arbeiten. Die Länge des Trails kann individuell an die aktuelle Kondition des Hundes angepasst werden und gegebenenfalls bei ersten Anzeichen von Erschöpfung positiv beendet werden.

Varianten:

Je nach Trainingsstand des Teams und den sich ergebenden Möglichkeiten der Umgebung können spezielle Schwierigkeiten eingebaut werden.

Backup als Zielperson

Beschreibung:

Der Hund erhält den Geruch des Backups als zu suchende Zielperson. Da für die Hunde niemals der Backup als Ziel gewählt wird, ist es sehr spannend und interessant für alle zu sehen, wie der Hund diesen Konflikt löst. Korrekt ausgebildete Hunde werden den Zielbereich nicht verlassen und versuchen, die Quelle des Zielgeruchs zu identifizieren. Da der Trainer und Backup dabei in den meisten Fällen im Training nie als Zielperson in Frage kam, ist es eine besondere Herausforderung für den Hund, diese Aufgabe zu lösen. Da dies zum Teil sehr lange dauern kann, sollte der Hund für diese Übung noch nicht müde vom bisherigen Training sein. Des weiteren sollte der Backup sich möglichst nicht mit dem Team bewegen, sondern am Startpunkt stehen bleiben. Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Hund sich vom Startbereich fortbewegt, weil sich ja auch der frischeste Geruch (des Backups) sich mit ihm bewegt.

Trainingsschwerpunkt:

Manchmal lösen Hunde dieses Problem erstaunlich schnell. In aller Regel ist dies aber eine sehr komplexe Situation, die viel Konzentration, Ruhe, Erfahrung und Nervenstärke von Hund und Hundeführer verlangt. Hier ist der Trainer gefordert, dem Team im Zweifel Sicherheit zu vermitteln und weniger erfahrene Teams durch diese Aufgabenstellung zu coachen. Frustration ist hier unbedingt zu vermeiden.

Varianten:

Starke Ablenkungen in der Umgebung und eine große Gruppe als Zuschauer kann hier die Komplexität noch erhöhen.

2015-04-17-07.32.18-5

Zwei Hunde trailen gleichzeitig parallel an unterschiedlichen Trails (Split)

Beschreibung:

Zwei Teams werden gleichzeitig gestartet, wobei jedes Team eine andere Versteckperson sucht (siehe Bild). Die Trails der beiden Versteckpersonen verlaufen zunächst parallel und teilen sich erst nach einer gewissen Strecke in zwei unterschiedliche Trails auf (Split).

Trainingsschwerpunkt:

Dies ist eine interessante Konzentrationsübung. Der parallel arbeitende Hund ist dabei für das andere Team eine starke Ablenkung und insbesondere am Split zeigt sich, welcher Hund über den Trail wirklich die Konzentration am richtigen Geruch halten konnte.

Varianten:

Je später der Split auf dem Trailverlauf erfolgt, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Team sich auf die Arbeit des anderen Teams verlässt. Dies kann so weit gesteigert werden, dass die Trails bis zum Ende identisch sind und im Zielbereich die Versteckpersonen nur wenige Meter entfernt stehen (10-20 Meter). Diese Übung kann darüber hinaus durch das gewählte Trailgebiet im Schwierigkeitsgrad gesteigert werden. Oftmals zeigt sich, dass besonders ruhige Gebiete hier eine besondere Herausforderung sind, weil die Präsenz und Ablenkung des parallel arbeitenden Teams besonders dominant wirkt.

Im zweiten Teil folgen weiter Varianten wie nicht auffindbare Personen und lustige Varianten wie Kneipentrailen